„Vertraut den neuen Wegen…“
„Er führet mich…“
„Und ob ich schon wanderte…“
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte…“
„… dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“
Vielfach wird das Bild vom Weg gebraucht, wenn wir über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen nachdenken. Die Kirche wird auch als „wanderndes Gottesvolk“ bezeichnet – und manche Gotteshäuser sind deshalb architektonisch wie ein „Zelt“ gestaltet. Unsere Nikolauskirche in Hauingen nicht – eher steht sie mit ihrem Turm weithin sichtbar und mit ihrem Kirchenschiff wie ein großes Haus mitten im Ort und bildet sozusagen den unverfehlbaren Orientierungspunkt. An ihr kann man nur rechts oder links – oder hinein…
Dann allerdings – wenn man hineingeht – ist man schon wieder auf einem „Gefährt“ und noch dazu auf einem, das gar keinen festen Weg vor sich hat, sondern sich durch „das Meer der Zeit“ hindurch auf den unruhigen Wogen des Lebens seinen Weg erst suchen muss: in einem Kirchen-„Schiff“ nämlich!
Da ist dann die Frage: Orientieren wir uns als Gemeinde von Christenmenschen an unserem je eigenen Mast (Kirchturm) oder lassen wir DEN steuern, der von sich gesagt hat „ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“?
Wir sehen: Vom Bild des Weges kommen wir nicht los. Das Bild des Weges hat es in sich…
Deshalb hier noch ein paar
„Edelsteine am Weg“ (so hat der Künstler Jürgen Brodwolf unsere Kirchenfenster genannt) aus unserer Kirchengemeinde:
Der Weg durchs Leben im Allgemeinen:
„Von der Wiege bis zur Bahre“ ist die Kirche als Gemeinde Jesu Christi in Hauingen präsent:
Seit 1874 gibt es den Evangelischen Frauenverein, der mit zwei Zielen gegründet wurde: Kinderbetreuung und Krankenversorgung. Bis heute ist der Frauenverein Träger des
Kindergartens „Vogelnest“ im Siegmeer, der im Jahr 2021 dort sein 25jähriges Jubiläum feiern kann. Und bis heute hat der Frauenverein Hauingen Sitz und Stimme in der Diakoniestation Lörrach. Durch den „Suppensonntag“ an Erntedank, die jährliche Organisation eines Seniorenausflugs und die Kuchenbäckerei für den Nikolaus-Kaffee wirken die Frauen und einige Männer verschiedener Konfessionen weit über Kindergarten und Diakoniestation hinaus für Hauingen – und das alles ehrenamtlich! Was für ein Kleinod!!!
In der Astrid-Lindgren-Grundschule gibt es – wie an allen Schulen des Landes – den Religionsunterricht. In den Klassenstufen 1 und 2 wird er als
„KoKo“ erteilt: in Konfessioneller Kooperation bzw. in ökumenischer Verantwortung. Die Klassen 3 und 4 werden in der Regel jahrgangsübergreifend, aber konfessionell getrennt unterrichtet. Im Religionsunterricht und seiner Organisation und Einbindung in den Schulalltag ist vieles in Bewegung, aber eines ist immer klar: Die Teilnahme an „Reli“ steht jedem Kind offen. Und so wenig „Glaube“ anerzogen und bewertet werden kann, so sehr macht es Sinn, sich mit den religiösen Gegebenheiten in unserer Gesellschaft vertraut zu machen und auseinanderzusetzen.
Konfirmation ist ein „sprechendes“ Wort – wenn man es nicht einfach nur als „stehenden Begriff“ versteht für die evangelisch-kirchliche Form eines Rituals zum Erwachsenwerden. Die Vorsilbe „Kon“ meint soviel wie „miteinander, gemeinsam, zusammen“. Beim Hauptteil des Wortes ist es wichtig, dass man das „i“ nicht mit einem „o“ verwechselt: „firm“ ist etwas sehr anderes als „form“! „Stark, sicher, fest sein“ sollte etwas sehr anderes sein als „formbar bis zur Gewinnung einer bestimmten äußeren Form, und dann eben: angepasst sein, geprägt, geformt“.
Bei der Kon-f-I-rmation geht es darum, gemeinsam im ständigen Austausch mit anderen für sich selbst eine gewisse Festigkeit, Stärke, Gewissheit im ganz persönlichen Glauben an Gott zu gewinnen. Es geht nicht darum, mit einem bestimmten System, einer Meinung, einer Institution immer kon-f-O-rm zu gehen. Im Gegenteil: Wer gelernt hat, sich selbst darüber zu vergewissern, was er/sie glaubt und glauben kann, der wird immer auch kritikfähig sein – anderen und sich selbst gegenüber. Insofern ist Kon-Firmation, das gemeinsame Suchen und Ringen um das in einer jeweiligen Situation von „Gott“ her angemessene Ausdrücken des christlichen Glaubens eine immerwährende Herausforderung – kein ein für alle Mal durchführbares und abhakbares
Ritual des Übergangs vom Jugendalter ins Erwachsensein.